- VeChain will 2026 stärker auf KI-Agenten, digitale Identitäten und offene Web3-Schnittstellen setzen.
- CTO Antonio Senatore sieht Blockchain zunehmend als Vertrauensschicht für KI, Datenherkunft und reale digitale Aktionen.
In einem Gespräch mit Anthony Day erklärte VeChain-CTO Antonio Senatore gestern, wie stark sich VeChain seit 2020 verändert hat. Aus einer damals noch stärker zugangsbeschränkten öffentlichen Blockchain ist ein breiteres Web3-Ökosystem geworden, das heute Unternehmen, Nachhaltigkeitsanwendungen und zunehmend auch KI-Agenten adressiert.
Vor sechs Jahren wurde in der Branche noch viel über private Blockchains, Konsortium-Netzwerke und klassische Enterprise-Lösungen gesprochen. Viele Unternehmen wollten zwar gemeinsame Daten nutzen, aber ohne die volle Offenheit öffentlicher Netzwerke. VeChain beschreibt diese Phase heute selbst als Teil einer längeren Entwicklung: erst Enterprise-Tools für verifizierbare Geschäftsdaten, dann VeBetter als Nachhaltigkeits-Ökosystem, nun der nächste Schritt in Richtung agentischer Wirtschaft.
Senatore bringt diesen Wandel im Gespräch ziemlich direkt auf den Punkt:
„Heute bewegt sich die Welt klar in Richtung öffentlicher Blockchains.“
Damit beschreibt er nicht nur den breiteren Markt, sondern auch VeChains eigene Entwicklung. Was früher stärker über kontrollierte Validatoren und Enterprise-Nähe erklärt wurde, soll mit Hayabusa, Interstellar und der Roadmap 2026 offener, kompatibler und stärker an Web3-Standards angebunden werden.
Technisch baut die Roadmap auf mehreren konkreten Bausteinen auf. Nach Galactica mit dynamischem Gebührenmodell, Base-Fee-Burns und Priority Tips folgte Hayabusa mit dem Übergang zu einem permissionless Delegated-Proof-of-Stake-Modell. Die nächste Phase, Interstellar, soll VeChainThor stärker in Richtung Ethereum-Kompatibilität, bessere Finalität, flexiblere Validatoren und On-Chain-Attestierungen für tokenisierte Real-World Assets verschieben.
KI-Agenten werden zur neuen Zielgruppe
Der spannendere Teil liegt bei KI. Senatore hatte schon vor mehreren Jahren darüber gesprochen, dass Blockchain für KI eine Vertrauensebene werden könnte. Damals klang das noch wie fiktionsreiche Zukunftsmusik. Heute wirkt es deutlich realer.
Im Rückblick zitiert Day eine ältere Aussage Senatores, die nun fast wie eine Vorwegnahme der aktuellen Roadmap klingt:
„Für mich ist Blockchain die verbindende Infrastruktur, die KI auf die nächste Stufe heben kann.“
Gemeint war schon damals nicht KI als Hype-Thema, sondern ein sehr praktisches Problem. KI-Modelle brauchen Daten. Und genau dort beginnen die schwierigen Fragen: Woher stammen diese Daten? Wurden sie verändert? Wer besitzt sie? Und wie lässt sich überprüfen, ob ein Agent wirklich der ist, für den er sich ausgibt?
VeChain will darauf mit mehreren Bausteinen reagieren. Dazu gehört vor allem die geplante EVM- und JSON-RPC-Kompatibilität. Entwickler sollen bekannte Ethereum-Werkzeuge wie MetaMask, Hardhat, Foundry oder Ethers.js einfacher nutzen können. Für Nutzer ist das eine Frage der Bedienbarkeit. Für KI-Agenten ist es grundlegender: Sie brauchen standardisierte Schnittstellen, um mit Smart Contracts, Wallets und digitalen Assets zuverlässig arbeiten zu können.
Senatore führt aus, dass drei Kernbereiche für die Weiterentwicklung von VeChain besonders im Fokus stehen:
„Im Kern gehe es um drei Dinge: Ethereum-Kompatibilität über RPC, eine Intelligence Layer und ein intelligenteres VeBetter-Ökosystem.“
Dazu kommt eine Intelligence Layer, in der Agenten eine eigene digitale Identität erhalten, Aufgaben ausführen und wirtschaftlich im VeChain-Ökosystem interagieren können. Die Roadmap nennt dabei unter anderem MCP On-Chain, Agent Digital Identity und Credibility Scores.
VeBetter spielt dabei eine besondere Rolle. Dort werden bereits reale Aktionen, digitale Nachweise und Token-Anreize miteinander verbunden. Künftig könnten Agenten Nutzer an nachhaltige Handlungen erinnern, Aufgaben auslösen oder Belohnungen organisieren. Senatore spricht in diesem Zusammenhang von einem Marktplatz für KI-Agenten, also einem Ort, an dem Agenten gebaut, eingesetzt und wirtschaftlich genutzt werden können.
Damit wird die Roadmap konkreter als ein simples „VeChain setzt auf KI“. Es geht um eine Infrastruktur, in der Menschen, Unternehmen und Agenten parallel handeln können: mit Identität, Zahlungslogik, Datenzugriff, Belohnungen und überprüfbaren realen Aktionen.
Für VeChain ist 2026 deshalb nicht nur ein technisches Upgrade. Es ist der Versuch, VeChainThor von einer Enterprise- und Nachhaltigkeits-Blockchain zu einer Vertrauensschicht für eine stärker automatisierte Web3-Wirtschaft weiterzuentwickeln.
VeBetterDAO wird Open Source
Zuletzt wurde VeBetterDAO vollständig als Open Source veröffentlicht. Das Ökosystem zählt bereits 14,8 Millionen Wallets und verzeichnete in den vergangenen Monaten einen deutlichen Anstieg. Über die geplante MCP-Integration sollen Agenten künftig On-Chain-Daten lesen, Smart Contracts abfragen und Transaktionen auslösen können. Digitale Identitäten und ein Credibility-System sollen dabei helfen, ihre Verlässlichkeit messbar zu machen.
VeBetterDAO bleibt damit ein zentraler Anwendungsfall der Roadmap. Die Plattform kommt auf mehr als 5,3 Millionen Nutzer, über 50 Live-Apps und mehr als 50 Millionen verifizierte nachhaltige Aktionen. In den letzten 24 Stunden verzeichnet der Kurs von VET ein Plus von 1,36% auf $0.007075.






