StartNewsKoalition der Kryptogegner: Linke und Grüne wollen Kryptogewinne besteuern

Koalition der Kryptogegner: Linke und Grüne wollen Kryptogewinne besteuern

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  • Die Linke-Fraktion hat am 7. Mai einen Antrag eingereicht, der Kryptowerte als Kapitalvermögen nach §20 EStG besteuern würde, mit 25 Prozent Abgeltungsteuer und ohne Haltefrist.
  • Zusätzlich fordert die Fraktion eine Wegzugsbesteuerung: Wer Deutschland verlässt, soll auf unrealisierte Kryptogewinne besteuert werden.

Seit dem 5. Mai reiht sich im Bundestag ein Krypto-Steuerantrag an den nächsten. Die Grünen haben den Anfang gemacht und Finanzminister Klingbeil hat die Woche davor in den Haushalt-Eckwerten 2027 angekündigt, die Besteuerung von Kryptowährungen verschärfen zu wollen. Am 7. Mai legte die Linke nach. Antrag 21/5824 mit dem Titel:

„Kryptowerte streng regulieren und gerecht besteuern.“

Dass ausgerechnet die Linke dabei einen steuerrechtlich milderen Weg wählt als die Grünen, ist die eigentliche Pointe.

Was die Linke fordert und warum es sich vom Grünen-Entwurf unterscheidet

Die Grünen wollen die Haltefrist innerhalb des §23 EStG streichen. Kryptogewinne würden dann mit dem persönlichen Einkommensteuersatz besteuert, bis zu 45 Prozent. Die Linke will Kryptowerte aus §23 herauslösen und in §20 EStG aufnehmen: 25 Prozent Abgeltungsteuer plus Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer, unabhängig von der Haltedauer. Für Spitzenverdiener ist das Linke-Modell günstiger. Für Geringverdiener ist es teurer. Beide Modelle schaffen die Steuerfreiheit nach einem Jahr ab.

Darüber hinaus fordert die Linke die Wegzugsbesteuerung nach §6 AStG. Wer Deutschland verlässt, würde auf unrealisierte Kryptogewinne besteuert, ohne vorherigen Verkauf. Der Antrag fordert zudem zu prüfen, ob für dezentrale Transaktionen eine Steuerfiktion nach dem Vorbild des niederländischen Box-3-Systems eingeführt werden kann: eine pauschale Besteuerung auf angenommene Vermögenszuwächse, unabhängig davon ob verkauft wurde.

Zahlen, Regulierung und ein mögliches Bitcoin-Verbot

Der Antrag stützt sich auf Daten des Kryptosteuertools Blockpit. Deutsche Krypto-Nutzer haben demnach 2024 rund 47,3 Milliarden Euro Gewinne realisiert, wovon zwei Drittel davon wegen der Haltefrist unversteuert blieben. Laut einem im Antrag zitierten Bericht des Kryptosteuersoftware-Anbieters Divly aus 2023 zahlen weniger als drei Prozent der deutschen Kryptoinvestoren ihre Steuern korrekt. Dem Staat sei 2024 ein mittlerer einstelliger Milliardenbetrag entgangen.

Neben der Besteuerung fordert die Fraktion eine zentrale europäische Kryptoaufsicht unter dem Dach der ESMA mit direkten Durchgriffsrechten sowie die Befugnis, Handelsverbote für Kryptowerte auszusprechen, die keine volkswirtschaftliche Funktion erfüllen, Umweltschäden verursachen oder systemische Risiken darstellen. Bitcoin wird im Antrag nicht namentlich erwähnt. Als Proof-of-Work-Coin mit einem Stromverbrauch auf dem Niveau des Landes Thailand fällt er aber direkt unter diese Kategorie.

SPD, Grüne und Linke kommen zusammen auf 378 von 733 Bundestagssitzen, genug für eine knappe Mehrheit. Doch während die Grünen Kryptogewinne mit bis zu 45 Prozent besteuern wollen, setzt die Linke auf 25 Prozent Abgeltungsteuer. Bei 100.000 Euro Gewinn sind das 20.000 Euro Unterschied. Bevor diese Frage nicht geklärt ist, bleibt die Koalition der Krypto-Gegner eine Zweckgemeinschaft ohne gemeinsamen Antrag.

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Nico van Ledden
Nico van Ledden
Nico writes about what is happening on the visible and invisible frontlines of the crypto markets, where technology, monetary policy, and questions of power increasingly intersect. Since 2021, he has delivered analysis, news, and commentary for media outlets, platforms, and companies across the digital finance sector. His work combines technical insight with editorial precision, covering everything from evergreen crypto topics to the latest developments in blockchain, DeFi, regulation, politics, memecoins, and artificial intelligence.
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